Omnilingua Sanremo

Aufenthalt: 18.9.-29.9.2006

Livello: Avanzato 2

Kosten Kurs: 315,00 € ("Standard")

Appartment 377,00 € Zimmer in einem sehr kleinen Appartement mit anderen Studenten

 

Sagen wir es einmal so: Dass ich zwei Jahre nach dem Flop in Tropea gleich nochmals einen solchen Volltreffer landen würde, hätte ich mir nicht träumen lassen. Hoffentlich ist das nicht das statistische Mittel der italienischen Schulen!

Nach Sanremo und an diese Schule bin nur gekommen, weil eine Freundin, die mit mir den Kurs zusammen belegen wollte, dort in der Nähe ein Appartamento besitzt. Aus freien Stücken hätte ich einen Kurs an der Schule Omnilingua wohl nicht belegt, obwohl die Homepage nicht schlecht aussieht und viele schöne Dinge verspricht. Die Schule wirbt u.a. mit folgenden Attributen: “relativ kleine, sehr persönliche Schule mit stark familiärem Charakter zwischen Organisation und Schülern”, “kleingehaltenen Gruppen mit maximal 9 Teilnehmern. Die durchschnittliche Gruppengröße beträgt übrigens nur 4-5 Teilnehmer”, "gelebte Sprache" wird versprochen.

 

Das sah in der Realität leider ganz anders aus:

  • Relativ großer, eher anonymer Laden, der wohl recht autoritär geführt wird.
  • Grosse, m.E. zu große Gruppen, zu meiner Zeit vier Gruppen mit 4 bis 9 Schülern. Dazu in der ersten Woche eine lärmende Schulkasse aus Österreich.
  • Keine Einführung zu Beginn, die umfangreiche Infobroschüre über Schule und Stadt erhält man sinnigerweise am ersten Unterrichtstag montags. Da war ich schon 2 Tage im Land.
  • Keine gemeinsame Veranstaltung oder auch nur ein gemeinsames Cafetrinken zwischen Lehrern und Schülern, nur das sog. Soziokulturelle Programm am Nachmittag.

Übel war der erste Schultag: Da wurden nach dem obligatorischen Test (15 min schriftlich, überwiegend Grammatikfragen, 5 min mündlich) sämtliche Schüler der Stufen Avanzati in einen einzigen Kurs zusammengepfercht. Resultat: 10 Schüler in einer einzigen Gruppe, ein völlig überforderter junger Lehrer, alle Niveaustufen vertreten, alle massiv unzufrieden. Diese wahnwitzige Einteilung erfolgte wohl aus organisatorischen Gründen und machte das ganze Test-Theater zur Farce. Entlarvend war vor allem die Tatsache, dass sich darin Leute gegenübersaßen, die schon wochenlang an der Schule waren und bisher im Avanzato 2 unterrichtet wurden und solche, die in der vergangenen Woche 2 Stufen tiefer noch mit dem Imperfekt zu kämpfen hatten. Nach 10 min war mir als neu Hinzugekommener klar, dass Größe und Zusammensetzung der Gruppe keinerlei Lernfortschritt zulassen würde.

 

Und richtig übel wäre es weitergegangen, wenn nicht einige Studenti mit Sprachschulenerfahrungen sofort massiv interveniert hätten. Beim deutschen Direttore, zumindest sprachlich also keine schlechte Voraussetzung für eine rasche Klärung eines einfachen Sachverhaltes. Denkste! Kurz zusammengefasst: Ein solch ignorantes Gespräch habe ich selten erlebt. Für Argumente kaum zugänglich, halfen dem guten Mann letztendlich nur handfeste Drohungen auf die Sprünge: Beschwerden beim Vermittler der Schule, Publikation im Internet (diese Seite z.B.), Annullieren des Kurses und Abreise... Folge: Der unser Kurs wurde am nächsten Tag in 2 Kurse aufgeteilt. Die einen vormittags, die anderen nachmittags.

Soweit so ungut: Denn damit war zwar denen geholfen, die protestiert hatten. Allen anderen aber nicht. Nach meiner Beobachtung und den Erzählungen von Mitschülern war eine ähnliche Situation im Livello intermedio gegeben, zwar mit etwas weniger Schülern (7-9), aber auch mit riesigen Unterschieden in der Gruppe. Bei denen blieb 2 Wochen lang alles beim Alten.

 

Unterricht: Ich hatte 2 verschiedene Lehrer/in, nette Menschen, die ganzen 4 Stunden lang denselben Lehrer. Keinen Wechsel wie in anderen Schulen zwischen Grammatik und Konversation. Mein Haupteindruck war, dass dort jeglicher pädagogischer Überbau fehlt, den vor allem die jungen Lehrer brauchen. Die erste Woche hatten wir überhaupt keine Grammatik, in der 2. Woche auf meine Nachfrage/Anregung hin wurden Teile bruchstückhaft wiederholt. In der Regel langatmige Texte, wenig Bezug zu aktuellen Geschehnissen in Italien selbst, im Gegensatz zur Ankündigung auf der Homepage nie Unterricht außerhalb der Klasse. Hausaufgaben waren eine Rarität und wenn dann in 10 min erledigt. Ich habe wenig gelernt, trotz einer dann eigentlich homogen zusammengesetzten und sprachlich recht fitten Gruppe.

 

Rahmenprogramm: Ich habe nur an einer Veranstaltung teilgenommen (Weinprobe, 3 mal ein Viertel, 12 €, war das Geld nicht wert), Filme und nochmals Filme, kostenpflichtiges whale watching, Kochkurs – alles wie man es halt so kennt.

 

Unterkunft: Auch so eine blöde Geschichte. Die Wohnung war im Gesamten gesehen o.k. Sie hatte aber zwei völlig ungleiche Zimmer. Ich hatte das deutlich kleinere (3 m x 2,50, kein Stuhl, kein Tisch). Die mir vorab zugesandten Fotos zeigten natürlich nur das größere. Das war für mich nicht so wichtig. Die 15 – 20 min Schulweg überwiegend durch die hässliche Vorstadt waren dagegen schon grenzwertig nervig.

Echter organisatorischer Lapsus war dagegen die Ankunft: Beim Abholen von Schlüssel am Ankunftsabend war die Lage der Wohnung auf dem Stadtplan nicht richtig eingezeichnet und der entscheidende Hinweis (kleines Gässchen nach einer Tankstelle) nicht angegeben. Die Folge war 1 h Herumirren im nächtlichen Sanremo, das ich mir gerne erspart hätte . Davon abgesehen waren die jungen Frauen der Anmeldung hilfsbereit und freundlich.

 

Altro? Ach ja, Sanremo lohnt keines Besuches. Es hat weder eine schöne Innenstadt noch schöne Strände, dafür sind sie fast alle kostenpflichtig! Ich bin immer mit dem Bus nach Bussana gefahren, dort gibt es einen schönen Sandstrand mit Bar ohne Eintritt. Die Infrastruktur ist dagegen ganz o.k., es gibt einen täglichen mercato coperto, der wirklich viel bietet, und jede Menge schöne Geschäfte. Zudem gute Bus- und Zugverbindung entlang der Küste. Leider kann die Riviera di Ponente vom Landschaftsbild nicht mit ihrem Gegenstück, der Levante, mithalten. Von der Blumen-Riviera sieht man überwiegend hässliche Gewächshäuser in einer zersiedelten Landschaft. Die Dörfer im Hinterland sind zwar aus der Ferne schön anzuschauen, verfügen aber im Inneren leider über wenig Charme. Einzig und allein das wunderbare Olivenöl aus den nur hier wachsenden Taggiasca-Oliven (unser Favorit seit Jahren: Olio Calvi, Imperia) wird mich ab und zu mal wieder in diese Gegend bringen.

 

Wetter: 2x2 Tage Wolken mit etwas Regen, 10 Tage sonniges, badetaugliches Spätsommerwetter.

 

Fazit: Nicht weiter zu empfehlende Schule, indiskutable Schulleitung, strukturelle Defizite, pädagogische Schwächen, in einer der wenigen Ecken Italiens, die ich nicht nochmals sehen muss.

 

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